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Auf
der Suche nach der Bildungsrepublik Deutschland
Eine
Bildungsreise in die Vergangenheit
Neu bearbeitet und
kommentiert am 1.6.2009 |
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Die
Bundeskanzlerin hat - im Herbst 2008 - die Bildungsrepublik
Deutschland gesucht. Sie wollte sich einen Überblick über
Kindergärten,
Schulen und Universitäten in Deutschland verschaffen. Ausgewählt für
diese
Reise wurden "Vorzeigeobjekte" klassischer Bildungseinrichtungen -
vorbildliche
Lernorganisation, wie sie auch schon
im 19. Jahrhundert möglich war. Moderne Informationsverarbeitung
und Internet traten höchstens als 'enrichment' in Erscheinung.
"13. Juni 2008 ... Angela Merkel will die
Bildungspolitik zur
Chefsache machen. Das sagte sie bei ihrer Rede zum 60.Geburtstag der
sozialen
Marktwirtschaft." findet Google am 1.6. Zwischenzeitlich ist es stiller geworden um die "Bildungsrepublik" Deutschland. Frau Merkel hat gelernt, dass die Wege zur Reform der Bildung viele Fallstricke bereit halten, und dass mit HopplaHopp auf diesem Feld keine schnellen Lorberen - und Wählerstimmen im September 2009 - zu ernten sind. Als Politikerin versucht sie daher, kurzfristig in anderen Gebieten - zum Beispiel in der Wirtschaftspolitik - Punkte zu sammeln. Übersicht
Der Output der KMK Physiker (innen) verlangen ... Standards in der Wirtschaft Steuerungsvariable Beitrag der Schüler - und der Lehrkräfte Das Interesse der Eltern Chancen der Wirtschaft Und die Realisierung?
Ein Nachsatz
Verknüpfungen (Links)
Kontakt
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Überprüfbare,
frei zugängliche Bildungsstandards im Internet hat die Bundeskanzlerin
vermutlich nicht gesucht. Vermutlich haben weder sie noch ihre
Berater
darüber nachgedacht, dass "Produktion" auch im Bildungswesen schlecht
organisiert
ist, wenn keine überprüfbaren Ziele (und Zwischenziele)
existieren.
Der Fortschritt, den unsere Wirtschaft mit der Normung in den
vergangenen
Jahrzehnten erreicht hat, steht im Bildungswesen noch aus. Das Internet
scheint noch zu jung zu sein. Hier könnte man überprüfbare
Bildungsstandards
anbieten und damit viele
unnütze Ausgaben sparen: Ein Schritt zu
autonomem
Lernen, das weitaus effektiver ist als der derzeitige Schulbetrieb. Die
Jugendlichen weichen deshalb aus auf Gebiete, in denen sie rasche
Rückmeldungen
für ihre Anstrengungen erhalten: Für Computerspiele
wenden die beweglichen unter den Jugendlichen 20 bis 50
Stunden konzentrierter Arbeit (und Geld) auf, damit ihnen ein
höherer
Level
oder eine bessere Ausstattung Ansehen
in der Community der
anderen Spieler verschafft. Krasses
Unverständnis darüber, dass in dieser Tatsache ein Problem für
die Bildungsorganisation liegen könnte, zeigt die Antwort des
Kultusministeriums
Baden-Württemberg mit der Anwort auf eine Frage, die von der Südwest
Presse
Ulm im Rahmen einer Bildungsserie an Herrn Minister Rau weitergeleitet
worden ist: Offenbar
sieht sich das Kultusministerium Baden-Württemberg keinen
Handlungsbedarf
zu diesem alarmierenden Zustand!
Vielleicht hat es nicht einmal die Frage verstanden: Erfolgreiche Konzentration beim Computerspiel - verdrossene Langeweile im Zuständigkeitsbereich des Kultusministeriums! |
| Der Output der KMK |
Die Kultusministerialen scheuen
überprüfbare
Bildungsstandards. Solche würden offenlegen, wie wenig unser Schulwesen
zur kognitiven Entwicklung unserer Begabungsreserven beiträgt.
Sie würden zeigen, dass Chancengerechtigkeit im deutschen Schulwesen keine wichtige Rolle spielt. Der Zufall entscheidet, ob ein Kind in der Schule entwickelt oder frustriert wird. Die deutschen Schulgesetze dulden keine Konkurrenz zum Lernen in der Schule. Mit Strafen und Polizei wird verhindert, dass Kinder außerhalb der Schule anerkennbare Bildungsergebnisse erwerben dürfen (kein "homeschooling"). Vollends zum leeren Initiationsritus verkommt das Schulwesen dadurch, dass die KMK großzügig Mindestzeiten (ca. 10 000 Unterrichtsstunden) für die allgemeine Hochschulreife festgesetzt hat (314. Sitzung). Hätte die KMK bei Olympia mitzureden, würde sie vermutlich vereinbaren, dass im Schwimmen für 100 m Freistil mindestens 300 Sekunden aufzuwenden sind. (Britta Steffen hat ihre Goldmedaille in 53,12 Sekunden errungen!). Dann kriegen alle eine Goldmedaille im Schwimmen, gegebenenfalls auch Nichtschwimmer. Bei den Abiturienten kann man das beobachten.Trotz sechs- bis neunjähriger Gymnasialzeit kann man von vielen Abiturienten nur wenig zuverlässige Kenntnisse erwarten. Die Schüler sitzen lustlos neun Jahre Gymnasium ab. Ihr kognitives und emotionales Potential verkümmert. Universitäten richten "Vorsemester" ein, in denen der Schulstoff der gymnasialen Unterklassen so weit neu vermittelt wird, dass im gewählten Studienfach eine rudimentäre Studierfähigkeit erreicht wird. Auch bei den sogenannten Hauptschülern beschränkt man sich darauf, sie als bildungsschwach abzustempeln, anstatt sie mit entsprechenden Angeboten zu motivieren. "Dificile satiram non schribere." Eine Satire dazu finden im Internet; es gibt schon ein Plagiat dazu! Bei einer Betriebsbesichtigung einer Roboterfabrik wurde die Frage nach den Kenntnissen der Auszubildenden beantwortet: "Wenn die Schüler mit ihrem Schulabschluss bei uns anfangen, können Sie weder rechnen noch fehlerfrei schreiben. Bis zur Gesellenprüfung holen das alle nach." Was haben die Schulen in den neun Jahren vor der Aufnahme der Berufsausbildung mit den Kindern gemacht? |
| Physiker
(innen) verlangen
überprüfbare Ergebnisse
- Bildungseinrichtungen nicht |
Für ihre Promotion hat Frau Dr.
Merkel
berechenbare, im Experiment überprüfbare Konstanten untersucht. Auf
ihrer
Bildungsreise hat sie nichts Analoges dazu gefunden.
In unserem Land wird immer noch
"Wer lehrt,
prüft" mit allen Auswüchsen praktiziert. Rund eine halbe Million
Lehrkräfte
setzen ihre konkreten Unterrichtsziele selbst, nach eigenem Ermessen
und
ohne nennenswerte Kontrolle. Der Willkür
in der Notengebung ist Tür und
Tor geöffnet:
"..für reine Anwesenheit gab es Dreien..." "...Aber da du mehr weißt, kann ich dich auch härter bewerten. ... Es gibt zu viele Einser- Schüler..." Viele Leute, auch Lehrkräfte,
meinen, die
Notenverteilung
werde von den Schulbehörden vorgeschrieben - und es gibt
Verwaltungshandeln,
das diese Meinung zu stützen scheint. Sobald man den Rahmen einer
einzelnen Schulklasse überspringt, gibt es praktisch keinen
Zusammenhang mehr zwischen einer Schulnote und der dahinter stehenden
Leistung. Echte, klassenübergreifende überprüfbare und transparente Standards gibt es in deutschen Schulen nicht. (Sport ist keine Ausnahme. Zwar wird zum Beispiel beim Weitsprung das Ergebnis in Metern gemessen, aber Damit fehlt ein wichtiger Anreiz für die Lehrkräfte, sich für die Vermittlung von elementaren Standards anzustrengen. Und die Schüler werden selten nach ihren Bedürfnissen gefragt. Dieses System entmutigt die Kinder und korrumpiert die Lehrkräfte. |
| Standards in der Wirtschaft |
Überprüfbare Standards sind für
effektives
und produktives Arbeiten unverzichtbar. Unsere Wirtschaft wäre längst
bankrott,
wenn sie jeder einzelnen Arbeitskraft die Entscheidung überlassen
würde,
was und wie sie produzieren will. Durch DIN-Normen sind seit bald
hundert
Jahren alle wichtigen Parameter genormt.
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| Steuerungsvariable im Bildungswesen |
Die Steuerungsvariablen im
Bildungswesen
sind falsch gesetzt. Die neue 'Outputorientierung' definiert
zum Beispiel einen Output durch Phrasen wie "Die
Schülerinnen und Schüler nutzen sinntragende Vorstellungen von ...
Zahlen
entsprechend ihrer Verwendungsnotwendigkeit"; wenn Sie nicht
verstehen,
was hierdurch konkret erarbeitet werden soll, sind Sie in guter
Gesellschaft.
Der berühmte Ruck (Herzog) hat
im Bildungswesen
bisher nicht gefruchtet. Trotzdem ist auch in diesem Bereich ein
Aufbruch
möglich. Auf Koryphäen und deren Doktorandensklaven sollten wir nicht
warten.
Vielmehr sollten wir die
Betroffenen
(Schüler, Lehrkäfte, Eltern, Wirtschaft) dazu aktivieren,
dass sie mit den Methoden der Gegenwart das Lernen der Zukunft
vorantreiben.
Wikipedia und Linux sind Vorbilder für die Erzeugung von überprüfbaren
Lernzielen, Ebay ist Vorbild für die Bewertung der inhaltlichen
Ergebnisse.
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| Beitrag der Schüler? |
Schüler sind durchaus in der
Lage, Lernziele
und den Weg zum Erreichen der Ziele zu beschreiben. Zum großen Teil
haben
Sie bereits die Methoden von Web 2 für sich übernommen.
Es ist ein seit langem formuliertes Ziel der Didaktik, die Schüler aktiv in die Organisation des Lernen einzubeziehen. An den wenigen Stellen, an denen dies aktiv versucht wurde, waren die Erfolge überzeugend. Insbesondere haben viele Schüler außerhalb der Schule Kompetenz im Programmieren erworben. (Unter den Zehntausenden von Mitarbeitern an Linux sind viele Jugendliche zu finden.) Wenn zusätzlich noch - nach harten aber transparenten Regeln - Belohnungen für akzeptierte Ergebnisse ausgesetzt werden, ist dies für Jugendliche in einer sonst "fertigen" Welt eine zusätzliche Motivation. Wo sollen sich denn die Jugendlichen sonst im kognitiven Bereich beweisen? |
| - und der Lehrkräfte? |
Theoretisch sind Lehrkräfte auf
die Aufgabe,
Lernen durch Schüler organisieren zu lassen, durch die Lehrerbildung
vorbereitet.
Praktisch werden noch viele Illusionen zu dem gepflegt, was man von
Lehrkräften
billigerweise erwarten kann. Diese Erwartungen übersteigen die
Fähigkeiten
normaler Mitmenschen.
So kann man karrikierend formulieren: Die Lehrerbildung folgt der Fiktion, Lehrkräfte inhaltlich und methodisch zu qualifizieren; die Lehrkräfte ihrerseits leben nicht zum kleinsten Teil in der Illusion, dass von ihnen während ihrer beruflichen Tätigkeit der Vortrag der nur zum Teil verstandenen Happen an die Lernenden erwartet wird. Für Neues, wie zum Beispiel Computer, erwarten sie, dass der Staat eine Nachqualifizierung organisiert. Jugendliche sehen dagegen eine reizvolle Aufgabe darin, sich selbständig neue Bereiche anzueignen. Überprüfbare Ziele erschrecken viele Lehrkräfte, denn dadurch wird aufeinmal ihre eigene Arbeit überprüfbar. |
| Das Interesse der Eltern |
Für Eltern sind überprüfbare
Standards
von besonderem Wert. Die Ergebnisse sind eindeutig, wenn man sich auf
computerauswertbare
Anforderungen beschränkt (Das umfasst weit mehr, als "Experten"
annehmen,
die sich nicht intensiv mit der Entwicklung des Lernens in den
vergangenen
.fünfzig Jahren beschäftigt haben.) Mit Hilfe von überprüfbaren
Standards
können Eltern das Lernen ihrer Kinder weitaus besser begleiten als mit
dem Rätselraten, was die zufällig dem Kind zugewiesene Lehrkraft für
Vorstellungen
über den Lernstoff haben könnte.
Natürlich engen überprüfbare Standards die Korruptionsmöglichkeiten der Lehrkräfte ein. Während meiner Tätigkeit als Lehrer wurden mir zahlreiche Geschenke, Wein, Pralinen, ... angetragen; meine Ablehnung stieß oft auf Unverständnis. Statt mich direkt zu beschenken wurde dann versucht, meine Frau oder meine Eltern zu beglücken. Von Kollegen, inzwischen verstorben, weiß ich, dass sie offen für Geschenke waren. Bei externer Bewertung der Lernfortschritte der Schüler gibt es Raum für Chancengerechtigkeit. |
| Chancen der Wirtschaft |
Es ist kaum verständlich, dass
die Wirtschaft
bei einem Teil ihrer Vorprodukte exakt beschriebene und verfizierbare
Eigenschaften
fordert, jedoch bei einem entscheidenden Faktor ihrer "Vormaterialien",
nämlich den Mitarbeitern, fatalistisch hinnimmt, was die staatlichen
Bildungseinrichtungen
liefern. Früher war das kaum vermeidbar; heute wäre es ein leichtes,
für
den überwiegenden Teil der kognitiven Qualifikationen überprüfbare,
rechnerauswertbare
Items bereitzustellen. Die Inhalte wären dabei nur nicht an den nicht
in
allen Fächern aktuellen Inhalt anpassbar; insbesondere könnte man,
statt
törichterweise nochmals ein neues Schulfach Wirtschaft zu fordern, auch
Inhalte aus diesem Bereich aufnehmen.
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| Und die Realisierung? |
Nach den Vorbildern (Linux,
Wikipedia,
Ebay), also mit den Methoden von Web 2, könnte in kürzester Zeit ein System
von überprüfbaren Bildungsstandards entstehen, das jedem einzelnen
unverzüglich - und unbeobachtet - Rückmeldungen über seinen Lernstand
liefert.
Jeder kann dazu beitragen, sobald die kritische Masse erreicht ist.
Und die
Wirtschaft könnte auf ein Instrument zurückgreifen, in dem sie
unmittelbar,
ohne den mühsamen Umweg über die staatlichen Institutionen, Bildungsinhalte
nach eigenem Bedarf definieren kann.
Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.BildungsStandards.de |
| Ein Nachsatz |
Nachsatz: Die Firma IBM hat
Jahrzehnte
gebraucht, um zu erkennen, dass ihre Maschinen auch rechnen und Daten
verarbeiten
können. Wie viele Jahrzehnte sind nötig, um im Bildungswesen mit Hilfe
des Internets den Anschluss an die Gegenwart zu finden? Wird der
Bildungsgipfel
im Oktober (2008) wieder nur zu Erklärungen führen, dass wir doch alles
richtig machen, und mehr Geld für das Bildungswesen fordern? (1.6.09: So war es, wie nicht anders zu
erwarten.)
Oder werden die Rationalisierungsreserven heutiger Informationsverarbeitung - mehrere Hundert Millionen Euro Einsparungsmöglichkeit - erkannt und und für dringende Verbesserungsmöglichkeiten der Bildungsorganisation fruchtbar gemacht? |
| Verknüpfungen
Bildungsstandards im Fach Mathematik für den Mittleren Schulabschluss; Beschluss der Kultusminsterkonferenz vom 4.12.2003 http://db2.nibis.de/1db/cuvo/datei/bs_ms_kmk_mathematik.pdf,
S. 13; (Fleckenfell am 26.8.08 in ('Einanderer' am 2.9.08 im gleichen Blog weiter unten.) Detailinformationen zum Thema 'überprüfbare
Bildungsstandards': |