Stand Freitag, 13.6.08
Bildungsrepublik Deutschland?

Eine wunderbare Zielvorstellung hat uns unsere Bundeskanzlerin mit dieser neuen Wortschöpfung beschert.
Schade, dass wir noch so weit von diesem Ziel entfernt sind!


 
Bildung ist bei uns immer noch weitgehend das Monopol der staatlichen Bildungseinrichtungen. Nahezu zu hundert Prozent gilt dies, wenn die Grundbildung eine Ausbildungskomponente enthält. Dann geht es um die zu erwerbenden Berechtigungen, und das staatliche Monopol wiegt noch viel schwerer.

Müßte man nicht von einem zukunftsorientierten Staatswesen erwarten, dass es im Bildungswesen vorrangig Methoden und Arbeitsformen der Gegenwart einsetzt, um zu optimalen Ergebnissen zu kommen?  Davon sind wir weit entfernt. Während die produzierende Wirtschaft längst wichtige Vormaterialien genormt und die Herstellung automatisiert hat, werden den Lernenden überprüfbare Lernziele vorenthalten; die Lehrveranstaltungen entstehen in handwerklicher Einzelarbeit. Die unmittelbare Nutzung gespeicherter Information für selbstorganisiertes Lernen ist in der Regel unerwünscht; wichtig ist nur, was eine Lehrkraft vermittelt hat. Das gilt häufig auch dann, wenn das Wissen oder die Fähigkeiten der Lernenden in Teilgebieten wie zum Beispiel bei der Computernutzung die  Kenntnisse der Lehrkraft übersteigen.

Für Jugendliche ist es demotivierend, wenn selbstorganisiertes Lernen nicht honoriert wird. Sie suchen andere Möglichkeiten, sich selbst zu prüfen und zu bestätigen. Das bieten ihnen unter anderem Computerspiele (Siehe dazu www.bildungsstandards.de/killer.html). Die Meinungsmacher reagieren darauf mit der Forderung, Computerspiele zu verbieten. Gleichzeitig fordern Sie mehr Geld für die Bildung:

Natürlich nicht, wenn man es ungeschickt ausgibt!

Zum Vergleich: In einigen Ländern Afrikas arbeiten heute noch 96 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Diese 96 % schaffen es nicht, sich selbst und die übrigen 4 % der Bevölkerung ausreichend zu ernähren. In der Bundesrepublik, die eine Bildungsrepublik werden will, arbeiten 2 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Diese 2 % produzieren Getreideberge und Milchseen, die niemand will, weil die übrigen 98 % nicht mehr essen können. Würden wir Bildung analog zur landwirtschaftlichen Produktion organisieren und an passenden Stellen die elektronische Informationsverarbeitung einsetzen, dann hätten wir viel Geld übrig (Siehe http://www.bildungsoptionen.de/200mio.htm) für die individuelle Betreuung der Lernenden durch Lernberater, wie sie gleichfalls nach einer heutigen Rundfunkmeldung Baden-Württemberg zur Hausaufgabenbetreuung einsetzen will und dafür jährlich 5 Millionen € ansetzt. Mit einem Bruchteil dieses Betrags könnte unter Einbeziehung der Lernenden ein Angebot an überprüfbaren Bildungszielen im Internet geschaffen werden, bei dem die Lernenden unverzüglich eine Rückmeldung über ihren Kenntnisstand erhalten.

Ein Angebot wie im obenstehenden Absatz beschrieben bietet noch einen weiteren, entscheidenden Vorteil. Vielleicht sind Sie noch nie in einer Schulklasse bloßgestellt worden. Zugesehen haben Sie bestimmt schon, wie dies anderen in der Klasse passiert ist - oft ohne dass es von der Lehrkraft beabsichtigt gewesen wäre. Solche Verletzungen vermindern die Lernmotivation des einzelnen. Wenn er sich dagegen am Rechner testen und so lange üben kann, bis er mit seinem Lernergebnis zufrieden ist oder merkt, dass er persönliche Hilfe braucht, werden solche demotivierende Situationen vermieden. Die anonyme Übung bis zum Erfolg ist eine wichtige Komponente der von Computerspielen ausgehenden Anreize. Warum schaffen wir für Sie keine Alternative im Lernbereich. Das wäre wirksamer als alle Verbote von Computerspielen! (Siehe dazu http://www.bildungsstandards.de/08/budaa.html - Kurztext)