| Politikerprofilierung
2010; Chance für eine neue Agenda oder noch besser: Ein
Schulfach "Ernährung" ? Politiker (2001 (Künast), 2007(Schmidt), 2010) und Medien (2004) gehen davon aus, daß man im Schnitt alle 3 bis 4 Jahre die gleiche Sau zur eigenen Profilierung durchs Dorf treiben kann. Wer zuerst kommt, weckt am meisten Aufsehen. Seit einigen Tagen stehen im Mai 2007 wieder einmal dicke und träge Kinder im Mittelpunkt . Sogar der Bundestag hat darüber diskutiert. Neu ist diesmal der Slogan "fit statt fett". Wer Nachhaltigkeit erreichen will, weil es ihm um die Sache geht, geht anders vor (Kommentar 2007). Wenn es um das Thema "fit statt fett" geht,
kann die Erinnerung an Alte Geschichtennützlich
sein.
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| Alte Geschichten
In der guten (?) alten Zeit lernten die Kinder in der Schule moralische und sonst aufbauende Geschichten kennen, darunter Die Geschichte von Spiegel dem Kätzchen Ein Hexenmeister hatte ein junges Kätzchen gefangen, um das Fleisch als Dachhasen zu verzehren, das Katzenschmalz aber für seine Zaubereien zu verwenden. Er bot dem Tierchen leckere Bissen dar und konnte es kaum erwarten, bis es beim Schlachten eine ordentlich Menge Katzenschmer geben würde. Das junge Kätzchen war nicht im Wohlstand aufgewachsen sondern in einer harten Zeit, in der man noch seine Intelligenz entwickeln mußte, wenn man mit Anstand überleben wollte. Deshalb dauerte es nicht lange, bis es merkte, warum es so gut gefüttert wurde. Dem Hexer werde ich den Spass verderben, überlegte es. Es fing an, in seinem kleinen Käfig Sport zu treiben und nur noch so viel zu essen, wie es unbedingt nötig hatte. Es verschmähte die süßen xx-Cola-Getränke, das Katzen-Gourmet aus der Dose und alle die Dickmacher, die ihm der Hexer in seinen Käfig stellte. So hielt es sein Gewicht und verdarb dem Hexer den Braten. "Aus dir wird nie ein saftiger Braten", sagte sich eines Tages der Hexenmeister und setzte das Kätzchen aus. Zu der Zeit, in der man in der Schule noch
lesen lernte, haben die Kinder die Geschichte in der zweiseitigen Schulbuchfassung
gelesen, darüber diskutiert, den obligatorischen Aufsatz über
das Thema geschrieben und zum Schluss die Geschichte auswendig vor den
60 bis 70 Mitschülern vorgetragen. Wer stecken blieb, lernte zusätzlich
noch, wie sich der Schlag eines Steckens auf die flache Hand anfühlt.
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Noch ein Hinweis: Die Katze hatte keinen Unterricht darüber erhalten, wie man sich gegenüber Hexern benimmt, die Katzen mästen und schlachten wollen. Trotzdem hat sie die Situation souverän gemeistert. Auch heute lernen die Jugendlichen vieles besser und schneller, wenn man sie selbständig lernen läßt (Vergleiche zum Beispiel den Handytest) |
| 2001
http://www.naturkost.de/meldungen/010329e1.htm "Aktuelle Meldungen vom 29.03.2001 "Ernährungsunterricht" soll Schulfach werden Drei Viertelder Deutschen befürworten Vorschlag von Verbraucherschutzministerin Künast In der Diskussion um gesunde Ernährung trotz Gentechnik, BSE und Maul- und Klauenseuche befürworten fast drei Viertel der Deutschen den Vorschlag der Verbraucherschutzministerin Renate Künast, als neues Schulfach "Ernährungsunterricht" einzuführen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Hamburger Instituts BIK Umfrageforschung unter mehr als 1.000 Bundesbürgern. In dem neuen Schulfach sollen Schüler alles über Inhalt und Herkunft von Lebensmitteln lernen, um sich gesund und vernünftig ernähren zu können. Gut 20 Prozent der Befragten halten diese Maßnahme für übertrieben. Etwa fünf Prozent haben keine feste Meinung zum Thema." Kommentar: Wenn drei Viertel der Deutschen (rund 75%) im Jahr 2001 von einem neuen Schulfach, das heißt, vom Staat, das Bedürfnis nach einer "gesunderen" und "vernünftigeren" Ernährung erwarten, darf man sich nicht wundern, wenn sechs Jahre später, "die Deutschen" noch dicker und träger geworden sind. Hätte man mit der Einführung von Mobiltelephonen gewartet, bis ein Schulfach "Handy" die Bürger darauf vorbereitet hat, hätten wir auch für die Handynutzung einen PISA-Effekt. (Siehe dazu Handytest) |
| 2004
http://www.wdr.de/tv/westpol/beitrag/2004/10/20041010_ernaehrung.jhtml
Treffpunkt Küche am St. Mauritz Gymnasium in Münster. Nicht zur Arbeitgemeinschaft, sondern zum Unterricht in Ernährungslehre. Ulrike Stahl lehrt gemeinsam mit einer Kollegin dieses Fach, das viel mehr ist als ein reiner Kochkurs. O-Ton: Ulrike Stahl, Lehrerin St. Mauritz
Gymnasium Münster
Mehr als die Hälfte aller Zehnklässler hat sich für das Fach von Ulrike Stahl entschieden. Neben der Praxis legt die Lehrerin viel Wert auf Theorie - Gifte in den Lebensmitteln das Thema für diese Zwölfklässler. In Münster ist Ernährungslehre sogar Abiturprüfungsfach. O-Töne: Schülerin und Schüler
Münster ist die große Ausnahme. In Nordrhein-Westfalen gibt es nur wenige Gymnasien, die Ernährungslehre anbieten. Lehrerinnen wie die Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Stahl sind selten. Die CDU-Opposition im Land fordert deshalb eine andere Lehrerausbildung." Kommentar: Was haben wir doch für Sorgen. Wir leben in einem Land, das kaum eigene Rohstoffe besitzt. Nur durch die kognitive Kompetenz einer Minderheit sind unsere Produkte für Dritte attraktiv. Statt einen geringen Betrag in die selbstorganierte Pflege und Weiterentwicklung dieser Kompetenz zu investieren und dafür gute Bedingungen zu schaffen, erträumen wir uns den Fortschritt von weiteren Schulfächern. PISA hat gezeigt, was die Schule in den klassischen Schulfächern leistet. |
| 2007
http://www.netzeitung.de/deutschland/642590.html "Ministerin Schmidt für Schulfach «Ernährung» 09. Mai 07
Knapp 40 Millionen Deutsche
sind zu dick. Davon zumindest geht die Bundesregierung aus und will mit
dem Aktionsplan «Fit statt fett» gegensteuern.
In deutschen Schulen wird nach Ansicht von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zu wenig Wissen über gesunde Ernährung vermittelt. «Ich glaube, dass Ernährung und Gesunderhaltung in einer älter werdenden Gesellschaft unbedingt auch in den Schulen gelehrt werden muss», sagte die SPD-Politikerin im ZDF. Sportunterricht sei genauso wichtig wie Mathematik und Deutsch."
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| Kommentar
zum Schulfach Ernährung 2007
Wieder einmal wird ein neues Schulfach vorgeschlagen, obwohl die Schule in den überkommenen Fächern nur PISA schafft. Ist die Ministerin ahnunglos
und
kennt den Misserfolg ihrer Kolleginnen und Kollegen von der KMK nicht?
Vor 60 Jahren hat einmal ein gescheiter Wissenschaftler ausgerechnet, dass die intellektuelle Kapazität von 16 Wissenschaftler vom Format eines Leibniz nötig wären, um das damals vorhandene Wissen zu überblicken. Seither hat sich das Wissen der Welt vervielfacht. Der Zugang zum Wissen ist mit dem Internet einfacher geworden. Beim Zugang zum Wissen sind neue Wege unverzichtbar. Schulisches Lernen im Geleitzug wird auch dadurch nicht effektiver, dass man die Schulzeit verlängert und neue Schulfächer einführt. Im Gegenteil: Die Schulzeit dauert jetzt schon so lange, dass die meisten Absolventen am Ende längst vergessen haben, was sie am Anfang gelernt haben. Gibt es eine Alternative zu einem neuen Schulfach? Vermutlich besteht Einigkeit darüber, dass unseren Mitbürgern mehr Wissen über das Thema Ernährung für die Gesundheit nützlich wäre. Besser noch, wenn aus dem Wissen wie bei Spiegel, dem Kätzchen, Handlungsmaximen erwachsen. Ein einfacher Weg, Motivation für die Auseinandersetzung über das Thema Ernährung zu schaffen, ist ein Wettbewerb im Internet. Wann nutzen wir endlich die positiven Möglichkeiten, die das Internet fast umsonst anbietet? |
| 2010
Was für neue Torheiten unsere Politiker bis dahin erfinden, liegt noch im Dunkeln. Der jetzige Aktionismus zum Thema Ernährung ist, wenn es mit den alten Methoden erörert wird, längst vergessen. Ein hoffnungsvoller, "viel versprechender" Nachwuchspolitiker kann dann wieder eine neue Kampagne für ein Schulfach Ernährung starten. Weitere Politikervorschläge für neue Schulfächer waren schon Psychologie, Wirtschaft, Verkehrserziehung, ... |