Arbeitsfassung 10.5.2007

 
Politikerprofilierung  2010; Chance für eine neue Agenda oder noch besser: Ein

Schulfach "Ernährung" ?

Politiker (2001 (Künast), 2007(Schmidt), 2010) und Medien (2004) gehen davon aus, daß man im Schnitt alle 3 bis 4 Jahre die gleiche Sau zur eigenen Profilierung durchs Dorf treiben kann. Wer zuerst kommt, weckt am meisten Aufsehen. Seit einigen Tagen stehen im Mai 2007 wieder einmal dicke und träge Kinder im Mittelpunkt . Sogar der Bundestag hat darüber diskutiert. Neu ist diesmal der Slogan "fit statt fett".

Wer Nachhaltigkeit erreichen will, weil es ihm um die Sache geht, geht anders vor (Kommentar 2007). 

Wenn es um das Thema "fit statt fett" geht, kann die Erinnerung an Alte Geschichtennützlich sein.
 
Un wie würde man erfolgreich handeln?


 

Alte Geschichten

In der guten (?) alten Zeit lernten die Kinder in der Schule moralische und sonst aufbauende Geschichten kennen, darunter 

Die Geschichte von Spiegel dem Kätzchen

Ein Hexenmeister hatte ein junges Kätzchen gefangen, um das Fleisch als Dachhasen zu verzehren, das Katzenschmalz aber für seine Zaubereien zu verwenden. Er bot dem Tierchen leckere Bissen dar und konnte es kaum erwarten, bis es beim Schlachten eine ordentlich Menge Katzenschmer geben würde.

Das junge Kätzchen war nicht im Wohlstand aufgewachsen sondern in einer harten Zeit, in der man noch seine Intelligenz entwickeln mußte, wenn man mit Anstand überleben wollte. Deshalb dauerte es nicht lange, bis es merkte, warum es so gut gefüttert wurde. Dem Hexer werde ich den Spass verderben, überlegte es. Es fing an, in seinem kleinen Käfig Sport zu treiben und nur noch so viel zu essen, wie es unbedingt nötig hatte. Es verschmähte die süßen xx-Cola-Getränke, das Katzen-Gourmet aus der Dose und alle die Dickmacher, die ihm der Hexer in seinen Käfig stellte. So hielt es sein Gewicht und verdarb dem Hexer den Braten. "Aus dir wird nie ein saftiger Braten", sagte sich eines Tages der Hexenmeister und setzte das Kätzchen aus.

Zu der Zeit, in der man in der Schule noch lesen lernte, haben die Kinder die Geschichte in der zweiseitigen Schulbuchfassung  gelesen, darüber diskutiert, den obligatorischen Aufsatz über das Thema geschrieben und zum Schluss die Geschichte auswendig vor den 60 bis 70 Mitschülern vorgetragen. Wer stecken blieb, lernte zusätzlich noch, wie sich der Schlag eines Steckens auf die flache Hand anfühlt. - 
Vielleicht hat sich die Geschichte innerhalb der letzten siebzig Jahre in der Erinnerung des Autors verändert, denn der Schlag mit einem Stecken ist längst dem Nuckeln süßer Cola- oder Alkopop-Getränke  während der Unterrichtszeit gewichen. Außerdem schrieben die Medien damals nicht von zarten Katzenbraten, sondern der damals herrrschenden öffentlichen Meinung folgend von Kruppstahl, zähem Leder und Windhunden. Die Originalgeschichteist übrigens sehr viel breiter und facettenreicher angelegt als die Schulbuchfassungen.

Noch ein Hinweis: Die Katze hatte keinen Unterricht darüber erhalten, wie man sich gegenüber Hexern benimmt, die Katzen mästen und schlachten wollen. Trotzdem hat sie die Situation souverän gemeistert. Auch heute lernen die Jugendlichen vieles besser und schneller, wenn man sie selbständig lernen läßt (Vergleiche zum Beispiel den Handytest)


 

2001

http://www.naturkost.de/meldungen/010329e1.htm

"Aktuelle Meldungen vom 29.03.2001

"Ernährungsunterricht" soll Schulfach werden

Drei Viertelder Deutschen befürworten Vorschlag von Verbraucherschutzministerin Künast

In der Diskussion um gesunde Ernährung trotz Gentechnik, BSE und Maul- und Klauenseuche befürworten fast drei Viertel der Deutschen den Vorschlag der Verbraucherschutzministerin Renate Künast, als neues Schulfach "Ernährungsunterricht" einzuführen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Hamburger Instituts BIK Umfrageforschung unter mehr als 1.000 Bundesbürgern. In dem neuen Schulfach sollen Schüler alles über Inhalt und Herkunft von Lebensmitteln lernen, um sich gesund und vernünftig ernähren zu können. Gut 20 Prozent der Befragten halten diese Maßnahme für übertrieben. Etwa fünf Prozent haben keine feste Meinung zum Thema."

Kommentar: Wenn drei Viertel der Deutschen (rund 75%) im Jahr 2001 von einem neuen Schulfach, das heißt, vom Staat, das Bedürfnis nach einer "gesunderen" und "vernünftigeren" Ernährung erwarten, darf man sich nicht  wundern, wenn sechs Jahre später, "die Deutschen" noch dicker und träger geworden sind. Hätte man mit der Einführung von Mobiltelephonen gewartet, bis ein Schulfach "Handy" die Bürger darauf vorbereitet hat, hätten wir auch für die Handynutzung einen PISA-Effekt. (Siehe dazu Handytest)


 

2004

http://www.wdr.de/tv/westpol/beitrag/2004/10/20041010_ernaehrung.jhtml
"Ernährung als Schulfach
Sendemanuskript vom 10.10.2004
Autorin: Martina Koch

Treffpunkt Küche am St. Mauritz Gymnasium in Münster. Nicht zur Arbeitgemeinschaft, sondern zum Unterricht in Ernährungslehre. Ulrike Stahl lehrt gemeinsam mit einer Kollegin dieses Fach, das viel mehr ist als ein reiner Kochkurs.

O-Ton: Ulrike Stahl, Lehrerin St. Mauritz Gymnasium Münster
'Zielrichtung ist Verbraucher- und Gesundheitslehre. Das sind also die Hauptstehbeine des Faches. Wir versuchen das möglichst praxisbezogen, praxisorientiert und lebensnah zu unterrichten, was natürlich bei den Kindern und Jugendlichen gut ankommt.'

Mehr als die Hälfte aller Zehnklässler hat sich für das Fach von Ulrike Stahl entschieden. Neben der Praxis legt die Lehrerin viel Wert auf Theorie - Gifte in den Lebensmitteln das Thema für diese Zwölfklässler. In Münster ist Ernährungslehre sogar Abiturprüfungsfach.

O-Töne: Schülerin und Schüler
'Ich finde, dass man ein Fach, dass einen interessiert viel besser lernen kann als zum Beispiel Biologie und mich interessiert das auch, wie man sich gut ernährt und ja, es interessiert mich.' 'Ja, weil es von den Fächern, die ich sonst so hab, definitiv am interessantesten ist, man am besten für lernen kann.'

Münster ist die große Ausnahme. In Nordrhein-Westfalen gibt es nur wenige Gymnasien, die Ernährungslehre anbieten. Lehrerinnen wie die Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Stahl sind selten. Die CDU-Opposition im Land fordert deshalb eine andere Lehrerausbildung."

Kommentar: Was haben wir doch für Sorgen. Wir leben in einem Land, das kaum eigene Rohstoffe besitzt. Nur durch die kognitive Kompetenz einer Minderheit sind unsere Produkte für Dritte attraktiv. Statt einen geringen Betrag in die selbstorganierte Pflege und Weiterentwicklung dieser Kompetenz zu investieren und dafür gute Bedingungen zu schaffen, erträumen wir uns den Fortschritt von weiteren Schulfächern. PISA hat gezeigt, was die Schule in den klassischen Schulfächern leistet.


 

2007

http://www.netzeitung.de/deutschland/642590.html

"Ministerin Schmidt für 

Schulfach «Ernährung»

09. Mai 07
Knapp 40 Millionen Deutsche sind zu dick. Davon zumindest geht die Bundesregierung aus und will mit dem Aktionsplan «Fit statt fett» gegensteuern.

In deutschen Schulen wird nach Ansicht von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zu wenig Wissen über gesunde Ernährung vermittelt. «Ich glaube, dass Ernährung und Gesunderhaltung in einer älter werdenden Gesellschaft unbedingt auch in den Schulen gelehrt werden muss», sagte die SPD-Politikerin im ZDF. Sportunterricht sei genauso wichtig wie Mathematik und Deutsch."

 


 

Kommentar  zum Schulfach Ernährung 2007

Wieder einmal wird ein neues Schulfach vorgeschlagen, obwohl die Schule in den überkommenen Fächern nur PISA schafft.

Ist die Ministerin ahnunglos und kennt den Misserfolg ihrer Kolleginnen und Kollegen von der KMK nicht?
Oder ist die Ministerin skrupellos und es geht ihr nur um eine Möglichkeit, Wind zu machen?
Oder war sie nur so kurz als Lehrerin tätig, dass ihr die Realität des schulischen Lernens nicht klar geworden ist?

Vor 60 Jahren hat einmal ein gescheiter Wissenschaftler ausgerechnet, dass die intellektuelle Kapazität von 16 Wissenschaftler vom Format eines Leibniz nötig wären, um das damals vorhandene Wissen zu überblicken. Seither hat sich das Wissen der Welt vervielfacht. Der Zugang zum Wissen ist mit dem Internet einfacher geworden. Beim Zugang zum Wissen sind neue Wege unverzichtbar. Schulisches Lernen im Geleitzug wird auch dadurch nicht effektiver, dass man die Schulzeit verlängert und neue Schulfächer einführt. Im Gegenteil: Die Schulzeit dauert jetzt schon so lange, dass die meisten Absolventen am Ende längst vergessen haben, was sie am Anfang gelernt haben.

Gibt es eine Alternative zu einem neuen Schulfach?

Vermutlich besteht Einigkeit darüber, dass unseren Mitbürgern mehr Wissen über das Thema Ernährung für die Gesundheit nützlich wäre. Besser noch, wenn aus dem Wissen wie bei Spiegel, dem Kätzchen, Handlungsmaximen erwachsen. 

Ein einfacher Weg, Motivation für die Auseinandersetzung über das Thema Ernährung zu schaffen, ist ein Wettbewerb im Internet. Wann nutzen wir endlich die positiven Möglichkeiten, die das Internet fast umsonst anbietet?


 

2010

Was für neue Torheiten unsere Politiker bis dahin erfinden, liegt noch im Dunkeln. Der jetzige Aktionismus zum Thema Ernährung ist, wenn es mit den alten Methoden erörert wird, längst vergessen. Ein hoffnungsvoller, "viel versprechender" Nachwuchspolitiker kann dann wieder eine neue Kampagne für ein Schulfach Ernährung starten. 

Weitere Politikervorschläge für neue Schulfächer waren schon Psychologie, Wirtschaft, Verkehrserziehung, ...