Vorläufige Fassung; Stand 15.1./19.1.2007
2007: Das Jahr ist neu; die alten Probleme bleiben

Denkanstöße


Seit PISA ist öffentlich, daß die Schule Bildungslücken bei den Lernenden entstehen lässt. Insider wussten das schon vorher.

Drei Beispiele sollen auf die Folgen hinweisen (Siehe Verknüpfung).


Die ersten vierzehn Tage im neuen Jahr haben so begonnen wie das alte Jahr geendet hat:

Es wird zu viel über Schule geredet und zu wenig über Lernen.
     Weil die Schule im 19. Jahrhundert stehen geblieben ist.
     Weil das Denken über die Schule im 19. Jahrhundert stehen geblieben ist (oder im 18. Jahrhundert bei Pestalozzi).
     Weil die Schule Berechtigungen verleihen darf, die man nur von ihr erhalten kann
     Weil Schule auf die Dauer der Schulzeit und nicht auf Lernergebnisse angelegt ist.

Was ist zu tun?



 
 

Die ersten vierzehn Tage im neuen Jahr haben so begonnen wie das alte Jahr geendet hat. Es wird viel über Schule geredet und wenig über Lernen:

Weil die Schule im 19. Jahrhundert stehen geblieben ist.
 

Moderne Informationsverarbeitung wird noch nicht angemessen benützt.

Vielleicht ist der Gedanke, Lernen anders als vor zweihundert Jahren zu organisieren, für viele Menschen zu schwierig. Dazu ein Beispiel: Die heutige Weltfirma IBM brauchte rund dreißig Jahre, bis sie erkannte, daß ihre Zählmaschinen (Hollerith) nicht nur zählen sondern auch rechnen können. Dabei geht es nur um eine einfache Entdeckung, die man auch logisch hätte entwickeln können.
 

In einem mir gut bekannten, kleinen Dorf gab es vor 50 Jahren 28 Bauern. Heute gibt es dort nur noch 2, aber diese 2 erwirtschaften nach Menge, Ertrag und Qualität wesentlich mehr als die 28 früher.
 

Wie groß der Nachholbedarf in der Bildungsorganisation ist, zeigt die folgende Gegenüberstellung:
 

Unser täglich Brot
Lernen in der Schule
1937

In den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts habe ich noch Bauern gesehen, die ihr Getreide mit Dreschflegeln gedroschen haben. Zu viert schlugen die Knechte auf das am Boden liegende Getreide ein. Anschließend wurde der Drusch mit der Worfschaufel hochgeworfen. Der Wind nahm die leichtere Spreu auf die Seite, und in der Mitte sammelte sich der Weizen (oder der Roggen).

In einem städtischen Hofgut neben der Wohnung unserer Familie war bereits der Fortschritt eingekehrt: Im Sommer wurde zwar noch 
- das Getreide gemäht, 
- in Garben gebunden, 
- die Garben zum Trocknen aufgestellt und 
- in die Scheuer gefahren. Im Winter wurde jedoch nicht mehr wochenlang von Hand gedroschen. Vielmehr fuhr die Dreschmaschine in den Hof und in weniger als zwei Tagen war die Ernte gedroschen.

Das Ziel des Dreschens war die Gewinnung von Brotgetreide; es wurde mit hohem Aufwand und beträchtlichen Verlusten erreicht.

1937

In den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts saß ich mit mehr als 60 Mitschülern in einer Klasse. Disziplin war kein Problem. Mit dem Stock schlug der Lehrer auf uns Kinder ein, wenn ihm etwas nicht gefiel. Insbesondere Mitschüler mit schwächeren Leistungen waren oft Ziel der Schläge. 

Es gab damals zwar schon einzelne "Landerziehungsheime" in denen mehr mit positiven Anreizen als mit Strafen zum Lernen motiviert wurde. In den öffentlichen Schulen war indessen die Verwendung des Stocks allgemein akzeptiert.

Noch in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts wurde den Junglehrern beigebracht, daß in pädagogisch begründeten Fällen zwei Schläge auf die flache Hand mit einem Stock von höchstens 60 cm Länge und 1 cm Dicke angebracht seien. 

Das Ziel war Sicherheit in Lesen, Schreiben und Rechnen; es wurde bei den meisten Kindern (zum Teil mit fragwürdigen Methoden) erreicht.

2006

Das Dreschen geht heute rund 8 000 mal so schnell wie vor 70 Jahren:

Überflüssige Arbeiten (Garben binden, aufstellen, trocknen, einlagern, zum Dreschen auslagern) entfallen. 

Die Qualität des Korns ist höher, die Verluste sind kleiner als früher, Brotgetreide kostet heute nur noch einen Bruchteil des damaligen Preises (und seine Erzeugung nährt nur noch einen Bruchteil der damals erforderlichen Hilfskräfte).

2006

Die Schulklassen sind im Durchschnitt rund halb so groß wie vor 70 Jahren.

 Der Stock als Hilfslehrer ist zu Recht verpönt. Das Problem der für erfolgreiches Lernen unerläßlichen Disziplin ist überwiegend nicht befriedigend gelöst.

Lernen ist immer noch so organisiert wie vor 70 Jahren: Für mehr als 100 000 Schulklassen bereiten mehr als 100 000 Lehrkräfte voneinander isoliert Unterricht vor, "halten" den Unterricht, entwickeln Prüfungsaufgaben, korrigieren von Hand (mehr als 10 % der Arbeitszeit einer Lehrkraft). Für die Erziehung der Kinder bleiben kaum Kraft und Zeit.

Wenn man sich klar macht, daß der Zweck von Schule nicht das Unterrichten durch die Lehrkraft sondern das kognitive, musische und soziale Lernen der Kinder ist, sind eigentlich im Zeitalter der interaktiven Medien die meisten Lehrertätigkeiten leicht ersetzbar. Versuche zu anderen Formen der Lernorganisation in der Vergangenheit oder in der Gegenwart sind erfolgreich verlaufen. Wo man diese zulässt, ist das Ergebnis besser und der Aufwand kleiner.


 
 Die Lernorganisation in den Schulen verharrt überwiegend bei den Methoden des 18. Jahrhunderts:

 
 

Weil das Denken über die Schule im 19. Jahrhundert stehen geblieben ist (oder im 18. Jahrhundert bei Pestalozzi)
 

Fast überall wird Lernen mit Schule zusammengedacht. Viele, die sich zum Thema Schule äußern, können sich gar nicht vorstellen, dass Lernen außerhalb der Schule effektiver sein kann als die herkömmliche Lernorganisation in Jahrgangsklassen.

"Die Schule neu denken - Eine Übung in pädagogischer Vernunft" ist der Titel eines Buchs des bekannten Erziehungswissenschaftlers Hartmut von Hentig. 2006 ist die 4. Auflage erschienen. Der Beltz Verlag schreibt dazu "Hartmut von Hentig zeigt in diesem Buch auf, dass die heutige Schule ihre Schüler von sich entfremdet hat, weshalb das so ist, welche Zwänge im bestehenden System dominieren und was geschehen muss, damit dieser Zustand beendet wird: die Schule neu denken." Für Hartmut von Hentig  ist der Ort des Lernens selbstverständlich die Schule.

Die Heinrich-Böll-Stiftung widmet dem Thema einen eigenen Website:  http://www.schule-neu-denken.de (Die letzte Eintragung stammt - Stand 15.1.2007 - aus dem Jahr 2005). In ihrer dritten  Empfehlung geht es um die "Autonomie von Schule in der Wissensgesellschaft", das heißt, im Denken der Grünen soll die Autonomie und Autokratie der Kultusministerien durch die Autonomie (und Autokratie) der Schule ersetzt werden. Die Lernenden kommen nach dieser Empfehlung vom Regen starrer Kultusbürokratien in die Traufe örtlicher Schul- und Lehrkräftewillkür. Die Befreiung der Lernenden von lernfremden Zwängen ist nicht vorgesehen. Auch die Grünen wollen nur Schule  neu denken.

Nicht "Schule neu denken" ist das eigentliche Problem. Vielmehr geht es darum, Lernen neu denken. Es geht darum, die natürliche Lernmotivation fast jedes Menschen zu fördern und zu erhalten. Sollte es nicht nachdenklich machen, wenn die oftmals als bildungsschwach abgestempelten Hauptschüler ihre persönlichen Erfolge bei Computerspielen suchen müssen, wenn sie im innerhalb ihrer Altersgruppe selbstorganisierten Lernen weitaus mehr Funktionen moderner Handys beherrschen lernen als viele Akademiker, die oft froh sind, wenn sie mit dem Handy wenigstens telephonieren können. (Lesen Sie hier über einen fiktiven Wettbewerb zwischen Informatikdidaktikern und Haupschülern.)

Lernen neu denken. Information ist nicht mehr zwangsweise mit menschlichen Informationsspeichern verknüpft. Überlegenes Wissen war früher einmal eine Quelle der Autorität für die Lehrkräfte. Die technisch gespeicherte Information ist heute häufig zuverlässiger als das, was einzelne Lehrkräfte davon verarbeitet haben.
In einem Diktat kam einmal das Wort "Klo" vor. Manche Schüler schrieben Klo, andere Clo. Wer hat richtig geschrieben? Die Lehrerin entscheidet "Clo ist richtig". Ruft ein Schüler "Im Schülerduden steht aber Klo!" "Das macht nichts; wir schreiben Clo." Wer als Lehrkraft nur über das Wissen aus der Studienzeit verfügt, ist im Zeitalter von Google übel dran - aber weniger übel als die Lernenden, die sich an diese Lehrkraft anpassen müssen.

Heranwachsende haben dank Buchdruck und Internet heute freien Zugang zu Informationen aller Art. Warum dürfen sie ihr Lernen nicht selbst organisieren? Warum organisiert man für sie keine personenunabhängigen Rückmeldungen.
 

 Qualifikationen, die in selbst organisiertem Lernen erworben werden, werden in der Regel nicht anerkannt.
Warum?

 

Weil die Schule Berechtigungen verleihen darf, die man nur von ihr erhalten kann
 

In Deutschland besitzt die Schule weitgehend ein Monopol für die Bewertung von Lernleistungen, die üblicherweise zwischen dem 6. und dem 20. Lebensjahr erbracht werden. Bei der Festsetzung einer Note für eine Lernleistung hat die einzelne Lehrkraft einen so großen Ermessenspielraum, dass Schulnoten in hohem Maß willkürlich sind und keine Aussagekraft haben.

Trotzdem hat die Schule das Recht, auf der Grundlage dieser willkürlichen Noten Berechtigungen zu verleihen. Wer zum Beispiel studieren möchte, muss in Deutschland nicht etwa bestimmte Kenntnisse und Fähigkeiten nachweisen, sondern nur bestimmte Noten erreicht haben. Diese sind nicht einmal in Ländern mit Zentralabitur vergleichbar; in Ländern mit schulspezifischen Abitursanforderungen sind der Manipulation Tür und Tor weit geöffnet. Im Gegensatz dazu wird das Recht auf  Hochschulzugang in Schwellenländern wie zum Beispiel Brasilien in einer Zugangsprüfung (vestibular) verdient.

Es ist kein Wunder, daß clevere Jugendliche diese Öffnungen benützen, um sich ohne Aufwand in einem Studienfach ihrer Wahl einzuschreiben. Auch Schulen, die seriös arbeiten, müssen sich diesem Wettbewerb stellen. Die Folge ist eine Nivellierung nach unten. Die Sonntagsreden der KMK-Vorsitzenden über definierte Standards, die mit dem Abitur nachgewiesen werden sollen, bleiben hohl, solange Standards nicht in nachprüfbarer Form definiert werden. Wie diese Überprüfbarkeit gesichert werden könnte, finden Sie unter Überlegungen zu Bildungsstandards und Dortmunder Manifest.
 
 

Die Berechtigungen, die die Schule verleihen darf, machen keine definierten Aussagen über Qualifikationen.

Das hat sich in keiner Weise geändert, seit die KMK von ihr so genannte, verbale Bildungs-"Standards" eingeführt hat.

Weil Schule auf die Dauer der Schulzeit und nicht auf Lernergebnisse angelegt ist
 

In der 314. Sitzung haben sich die Kultusminister auf folgende Forderung geeinigt:
(Sie müssen sich durchklicken von http://www.kmk.org/aktuell/home1.htm, weil KMK-Publikationen im Internet nicht zitierfähig sind!)

"Die Dauer der Schulzeit bis zur Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife beträgt zwölf oder 13 Schuljahre. Dabei ist ein Gesamtstundenvolumen von mindestens 265 Jahreswochenstunden ab der Jahrgangsstufe 5 bis zum Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife nachzuweisen. Darauf können bis zu fünf Stunden Wahlunterricht angerechnet werden.
256 Jahreswochenstunden sind rund 10 000 Stunden.

Kultusministerinnen und Kultusminister vertreten also die absurde Vorstellung, dass Bildungsergebnisse von der Dauer der Bildungsveranstaltungen abhängen. Ein Vergleich zeigt den Unsinn: Mit der gleichen Logik könnte man vorschreiben, daß Züge von München nach Hamburg 48 Stunden unterwegs sein müssen. Der Fortschritt von der Geschwindigkeit des "Adlers" auf der Strecke von Nürnberg nach Fürth vor weit über hundert Jahren zum heutigen ICE würde nicht genutzt. Die Kultusministerkonferenz beschäftigt sich bisher nicht mit der Nutzung der Möglichkeiten des Internets für selbstorganisiertes Lernen.

Ein Handelsbetrieb bietet an "Glühlampe 150 W E 27" oder  "Energiesparlampe 23 W E27" und überläßt es dem Kunden, zwischen definierten Produkten selbst zu wählen.

Die Kultusministerkonferenz bietet für das Abitur an "Produktionszeit ca. 10 000 Stunden" und verschweigt, was sie dafür liefern will (sie liefert ja nur PISA) - und die Öffentlichkeit lässt sich das gefallen. Dann wundern sich diese Experten noch, das viele Jugendliche den Leerlauf mit Computerspielen überbrücken, unter denen nicht nur erzieherisch wertvolle zu finden sind.
 
 

 Durch den Leerlauf in der Schule lässt unsere Gesellschaft den wichtigsten Rohstoff für unsere Zukunft verkommen: Das Lernpotential von Kindern und Jugendlichen.

Was ist zu tun?
 
 


Die Abhilfe ist einfach, wenn sie erst einmal in Angriff genommen wird: Jugendliche brauchen einen attraktiven Ersatz für die Killerspiele, die man so naiv durch Verbot ausrotten will, wie man da und dort erfolglos versucht oder versucht hat, den Alkoholmißbrauch durch Verbot oder Einschränkung des Verkaufs einzudämmen.

Für die, die es nicht wissen oder nicht zur Kenntnis nehmen: Bei Computerspielen erhält man sofortige Rückmeldungen und bekommt einen privaten (oder in der Scoreliste öffentlichen) Rang zugewiesen. Analoge Rückmeldungen könnten Angebote im Internet zu Lernthemen erhalten. Beispiele, die programmiertechnisch noch nicht ganz perfekt sind, finden Sie hier

für Deutsch ab Mitte der zweiten Grundschulklasse
für Konzentrationsfähigkeit ab der dritten Grundschulklasse
für Einmaleinskenntnis ab Klasse 4

Mit geringem Aufwand kann die Motivation erhalten werden, wenn man Tages-, Wochen- oder Monatsscoreplätze oder regionale Scoreplätze ermitteln würde. Wenn zusätzlich noch Sponsoren 1 % ihrer Sponsoringmittel, die sie für den Sport ausgeben,  in kleine Prämien  für die oberen Rangplätze investieren würden und dafür als Sponsor genannt würden, könnte man einen dauerhaften Hype auslösen, als dessen Folge man auf das Verbot von Killerspielen verzichten könnte. Und "Schule" würde besser.

Drei Beispiele für Bildungslücken
Siehe auch: Bildungslücken in Polen
 

1 Wie sich mangelnde Rechtschreibung ausbreitet

Schreiben Sie Retorik oder Rhetorik, falls Sie den Begriff kennen? Zur ersten Schreibweise findet Google rund 17 000 Mal Fundstellen wie "Retorik von Frauen für Frauen", "Universität Flensburg: WS 2003/04 Retorik", "Einführung in die Antike Retorik", ... , fragt aber nach "Meinten Sie: rhetorik " . Dagegen gibt es zu Rhetorik über 2 Millionen Fundstellen.
 

 Wozu brauchen wir noch Rechtschreibung?

Mit Rechtschreibfragen ist man ja heute nicht mehr kleinlich, aber in anderen Bereichen haben Bildungsfragen einen größeren Einfluss.


2 Wie mangelhafte Vorstellungen von Prozentrechnen Wahlergebnisse beeinflussen

Bei der letzten Wahl zum Bundestag im Jahr 2005 ist in vielen Wahlversammlungen rhetorisch gefragt worden, ob es gerecht sei, wenn die Krankenschwester und der Chefarzt beide gleich viel Steuern bezahlen sollen, nämlich beide 15 Prozent.

Ich habe viele Kommentare gehört und gelesen, dass dies ungerecht sei, aber keinen einzigen darüber, dass der gleiche Steuersatz nicht zum gleichen Steuerbetrag führt. Das Bewußtsein, dass der Chefarzt beim gleichen Steuersatz im Vergleich mit der Krankenschwester ein Vielfaches an Steuern zahlen muss, ist so wenig ausgebildet, dass diese primitive Demagogie eingeschlagen hat.
 

 Nur bei einer verschwindenden Minderheit schafft es die Schule, Grundvorstellungen über mathematische Begriffe zu vermitteln.

Und es gibt Kollegen, die sich nach jahrzehntelanger Tätigkeit in der Ausbildung von Mathematiklehrkräften über fehlenden Grundlagen wundern

Würde die Schule ergebnisgesteuert statt zeitgesteuert arbeiten, so hätte "das Mädchen" schon früher lernen (oder man hätte es gezielt fördern) müssen. Derzeit werden fast alle Lernenden im Geleitzug mitgeschleppt und verderben den Schnelleren den angemessenen Lernfortschritt.


3 Wie mangelnde Physik/Technikvorstellungen Geld beim Bau kosten

In einer kleinen deutschen Großstadt steht eine berühmte große Kirche. Sie soll eine Notstromversorgung bekommen.

Natürlich wird für eine solche Aufgabe ein Planungsbüro beauftragt und es werden Gremien eingesetzt, die über das Ergebnis der Planungen entscheiden. Zur Wahl stehen ein Notstromaggregat mit 20 kVA oder eine Batterieanlage mit 15 kW. Die Vorschriften verlangen eine dreistündige Versorgung. Der planende Fachingenieur informiert: Das Notstromaggregat kostet 39 000 € und braucht 20 Liter Diesel in der Stunde; man würde - wieder nach den Vorschriften - einen zusätzlichen Öllagerraum brauchen. Für die Batterianlage muss man keinen Kraftstoff lagern und sie kostet nur 8 000 €. Der Ingenieur bagatellisiert unter anderem, dass für die Batterieanlage ein besonders gesicherter Raum von 8 m2 erforderlich ist.

Natürlich werden die Vorschläge des Ingenieurs beschlossen.

Die Angaben über Kosten und Kraftstoffverbrauch lassen sich in weniger als zehn Minuten im Internet falsifizieren. Die Gremien werden auf diese sachlich falschen Ansätze hingewiesen, beschließen aber trotzdem, dass eine Batterieanlage eingebaut wird. Das Gesamtprojekt summiert sich, zusammen mit den Folgekosten der Entscheidung, auf über 3 Millionen Euro; der Einwände wegen gibt es noch einen Zusatzbeschluss "Der Ständige Ausschuss ist der Überzeugung, dass das Thema im Fachausschuss kompetent beraten wird",  erklärt souverän Fakten zu Meinungen  und erinnert so an den Fall Galilei.
 
 

 Gremien beschließen oft ohne Verständnis des Beschlossenen. Sie delegieren die Verantwortung an Fachleute. Fachleute sind (nur manchmal?) weniger kompetent als man glaubt.

 
Bildungslücken in Polen

Es wäre schön, wir hätten nur die polnischen Probleme:

Das polnische Problem hat mit mangelhaften Leistungen in einem Pflichtfach zu tun. Das deutsche Problem liegt darin, dass man die Prüfung auch mit unverzeihlichen, inhaltlichen Lücken bestehen kann. 

In den Übernahmeverhandlungen zu Beginn des Profifußballs in Deutschland soll man einem anerkannten Spitzenspieler ein Drittel der Stadioneinnahmen angeboten haben. Dieser protestierte sofort und verlangte mindestens ein Viertel (denn 4 ist bekanntlich mehr als 3).

Nun braucht man als Fußballspieler kein Abitur. Damit man aber den Fußballspielern ihre Gehälter und ihre Prämien bezahlen kann, muss das Geld dafür erst ins Land kommen. Von unsere natürlichen Ressourcen könnten wir nur ein sehr bescheidenes Leben führen. Der überwiegende Teil unseres Bruttosozialprodukts beruht auf kognitiven Vorleistungen. Und diese sollten soweit erbracht werden, dass man sich bei einem Abiturienten darauf verlassen kann, dass er nicht bei der einfachsten Prozentrechnung scheitert, dass er Leistung und Energie unterscheiden kann, dass er elementare Regeln der deutschen Rechtschreibung und Grammatik anwenden kann, ...

Siehe auch Schulnoten und Bildungsstandards