06-06-06
Vortragsanmeldung zur Herbsttagung des AK MU&I in Soest Thema

Computerwerkzeuge und Prüfungen


Fritz Nestle 

Computergestütztes Prüfen und autonomes Lernen 

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auf besser ausgestatteten Handys die Funktionen von GTR und CT unmittelbar oder als "Software on demand" zusammen mit Internetzugang preiswert verfügbar sind. Das Handy wird damit zu einer echten, nützlichen "eierlegenden Wollmilchsau"; GTR und CT als Einzelgeräte verlieren an Bedeutung. Webbasierte Methoden dürften daher längerfristig gesehen GTR und TC ersetzen; die didaktischen Fragen zum Tagungsthema bleiben.

Wie an Beispielen gezeigt werden soll, können die technischen Probleme des computergestützten Prüfens als gelöst angesehen werden. Die heutigen Programmiermöglichkeiten erfüllen (fast) alle Wünsche. Es geht also bei Überlegungen zum computergestützten Prüfen vorrangig um didaktische Fragen und die Probleme der organisatorischen Einbindung. 

Bei den didaktischen Fragen kann man sich auf umfangreiche Vorarbeiten aus den vergangenen Jahrzehnten stützen. Neben den früher aus technischen Gründen favorisierten Auswahlantworten ("multiple choice") kann man neuerdings beliebig gebundene Freiantworten und in zunehmendem Maß echte Freiantworten einbeziehen. Auch dafür ist die Erörterung - und Erzeugung - von Beispielen vorgesehen. 

Bei der organisatorischen Einbindung ist offen, wie lange die derzeitigen Monopole der Lehrenden bezüglich Methodenwahl und Beurteilung erhalten bleiben. 
- Welche Einsparungen beim Übergang von der heute üblichen handwerklichen Einzelarbeit möglich sind, wird in www.bildungsoptionen.de/200mio.htm grob abgeschätzt. 
- Wie wenig die Lernfähigkeit der Kinder und Jugendlichen für schulbezogene Lerninhalte ausgeschöpft wird, zeigt der unter anderem der "Handytest" (www.bildungsoptionen.de/handy.htm). 
- Grundfragen einer intersubjektiven Beurteilung von Lernfortschritten beantwortet das Dortmunder Manifest (www.bildungsoptionen.de/manifest.htm). Wichtig ist dabei besonders die Zufallsauswahl aus einem größeren Pool von Aufgaben, von denen jede für sich den wesentlichen Kern der jeweiligen fachlichen Inhalte repräsentiert. - Speziell zur Chancengerechtigkeit siehe auch http://www.ph-ludwigsburg.de/fileadmin/subsites/2e-imix-t-01/user_files/personal/nestle/alternativen/kap1.htm#16

Die größte Schwierigkeit bei computergestützten Prüfungen liegt in einer Kreditierung, die Betrug weitgehend verhindert. Hier liegen auch in Zukunft, wohl mehr als bisher, hoheitliche Aufgaben des Bildungssystems. 

Sobald Lernergebnisse anhand objektiver Kriterien gemessen werden und nicht mehr für die individuellen Vorstellungen einzelner Lehrer gelernt werden muß, kann das riesige Motivationspotential selbstorganisierten Lernens auch im Bereich von Schulthemen wirksam werden. Es gilt dann, daß Lernen, Üben und Testen auf einer gemeinsamen Grundlage beruhen und für diese drei Stadien nur die Randbedingungen (Hilfen: ja oder nein; Zeitbeschränkung: ja oder nein) variiert werden. Ein Zeithorizont für damit verbundenen Änderungen im Bereich des Lernens läßt sich zur Zeit noch nicht angeben.