Lernen mit Material

In Verbindung mit dem Aufbruch Ende der Sechzigerjahre entstand eine Fülle von neuartigen Materialien vornehmlich für den Mathematikunterricht der Grundschule. Vorher waren fast ausschließlich Hundertertafeln oder die russische Rechenmaschine als Veranschaulichungsmittel für Zahlen eingesetzt worden.

1 Einige Zeit dominierten die "Logischen Blöcke" von Z.P. Dienes, vertrieben vom Herder Verlag. Sie bildeten ein "strukturiertes Material" mit je einem Vertreter der Merkmalskombinationen Dicke (2 Ausprägungen), Größe (2 Ausprägungen), Farbe (3 Ausprägungen) und Form (4 Ausprägungen). In kürzester Zeit hatten fast alle Verlage mathematischer Grundschulbücher Plagiate der Logischen Blöcke.


"Bunte Plättchen"; suche die roten, die dreieckigen, ...

Mit solchen Materialien sollte ein elementarer Mengenbegriff als Hintergrund der Zahlvorstellung einerseits, der Aussagenlogik andererseits entwickelt werden. Die Variabilität des Materials war gering; die Möglichkeit zur Selbstkontrolle fehlte. Der Einsatz war also auf die Kontrolle durch den Lehrer angewiesen.

2 Andere starre Materialien, die in dieser Zeit verbreitet wurden, waren die Cuisenaire-Stäbe: Einer, Zweier, ..., Zehnerstäbe. Durch Aneinanderlegen konnten vor allem Addition und Subtraktion veranschaulicht werden. (Mit nicht so naheliegenden Handlungen fand man auch Zugänge zu Multiplikation oder Potenzbildung.)


Cuisenaire

3 Etwas variabler waren die gleichfalls von Herder vertriebenen Steckwürfel. Mit diesen konnten zahlhaltige Situationen, geometrisch-kombinatorische Formen oder aber in freiem Spiel Figuren gebaut werden. Auch bei Verwendung von Steckwürfeln gab es kaum Möglichkeiten für Lernsituationen mit Selbstkontrolle.


Steckwürfel von Herder

4 Für eine andere Altersstufe und mit einem anderen Ziel - Entwicklung der Raumvorstellung und der zweidimensionalen Darstellung räumlicher Objekte -
wurde fischer-geometric entwickelt. Dieses Material weist alle Eigenschaften auf, die für autonomes Lernen gefordert werden müssen, insbesondere die Möglichkeit der Selbstkontrolle. Das Konzept wäre auch heute noch modern.

Auswahl aus dem Material mit Steckverbinder

Ein Aufgabenblatt

Die Lösungshilfe mit Hinweis auf die Lösung

Lernmaterialien sprechen in der Regel nicht für sich. Sie müssen in einen Kontext mit Lehrer oder gedruckter Anleitung eingebettet werden. Versteht sich der Lehrer als Lernorganisator, dann zieht er Materialkombinationen wie fischer-geometric vor.