Unterrichtsprogramme bei Klett

Klett war wie Westermann einer der Verlage, die rasch ein beträchtliches Angebot an Unterrichtsprogrammen aufgelegt hatten.

Das Versprechen, daß mit der Mengenalgebra die inhaltlichen Neuerungen der beginnenden "new math" leicht verstanden werden können, hat insbesondere viele Lehrer dazu veranlaßt, sich mit diesem Unterrichtsprogramm fehlende Grundlagen zu erarbeiten.

Viele Autoren schrieben ausschließlich "Skinner"-Programme. Bei diesen gibt genau einen Weg durch das Programm; alle kleinen Aufgaben haben eine eindeutige Lösung. Diese Programmierung hat Lindner für die Mengenalgebra gewählt. Jede Buchseite ist in drei Felder gegliedert, die farblich voneinander abgesetzt sind. Das Buch muß sechs Mal durchgeblättert werden. Auf F 25 (Siehe Bild)  folgt beim Umblättern an der entsprechenden Stelle die Antwort auf die Fragen und in einer neuen Zeile ein neuer Lehrtext oder Lehrtext und neue Frage zugleich. Hier ein Ausschnitt:

Frage und Antwort sind bei der Skinnermethode so einfach, daß mindestens 90 % aus dem Bearbeiterkollektiv mindestens 90% der Fragen fehlerlos beantworten können (sollen). Fehler sind also unerwünscht. Skinnerprogramme dienen der Konditionierung, von Kritikern als Dressur bezeichnet.

Wenn man davon ausgeht, daß Lernende auch  Fehlern machen und gerade durch Versuch und Irrtum besonders effektiv lernen, ist die Skinnermethode ungeeignet. Die konkurrierende Methode wird mit dem Namen Crowder verbunden. In dieser Methode sind Fehler eine normale Sache, aber diese Fehler müssen vom Lernenden erkannt und behoben werden. Dies soll mit Hilfe von Verzweigungen geschehen. Während bei enem Skinnerprogramm jeder Lernende den gleichen Weg gehen muß, gibt es bei Crowderprogrammen auf Grund der Verzweigungen eine Vielzahl verschiedener Lernwege. Einen Ausschnitt aus einem Crowderprogramm (TT-Programm Prozentrechnen) zeigt das nächste Bild:

Diese beiden grundlegenden Programmstrukturen - nach Skinner und nach Crowder - begegnen uns auch in jedem modernen Computerlernprogramm. Neu ist nur, daß das Computerprogramm bei verzweigten Programmen selbst die Fortsetzung aufrufen kann und nicht geblättert werden muß. (Neu sind zusätzlich die nicht immer lernfördernden Motivationsvorstellungen von Autoren und Programmiern - schimpfende Eulen, Belohnung durch Kommentare wie "Du bist Spitze!" oder durch den Vorschlag, jetzt erst einmal ein Spiel zu machen.)

Die Programme haben sich auch im "Nachmittagsmarkt" nicht auf Dauer durchgesetzt. Vielleicht fühlen Schüler und Eltern instinktiv, daß die Anpassung an die Vorstellungen des Lehrers - seien sie richtig oder falsch - für das Weiterkommen in der Schule wichtiger ist als die solidesten Kenntnisse in Gebieten, die den Lehrer nicht interessieren. Man wird auch die modernen Anstrengungen zur Virtualisierung im Bildungswesen daran messen müssen, ob sie als Lernalternative innerhalb eines Bildungsganges akzeptiert werden und damit zur Verbesserung der Chancengleichheit beitragen.