Bereits in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts war das "Reichsinstitut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht" gegründet worden mit der Aufgabe, für den Unterricht Filme und Bildreihen zu produzieren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde - von den Ländern - als Nachfolge das "Institut für Film und Bild (FWU)" eingerichtet.
Zunächst lag der Schwerpunkt der Arbeit auf den Fächern Biologie und Geographie. Ab Mitte der Sechzigerjahre wurde das Aufgabengebiet ausgeweitet. Unter anderem wurden nun auch Medien für Mathematik und die Naturwissenschaften produziert mit dem Ziel, das Lernen in diesen Fächern zu verbessern.
Bis 1975 entstanden für das Fach Mathematik zahlreiche Medien in Konkurrenz zum Programmierten Unterricht einerseits, zum Schulfernsehen andererseits.
Ausschnitt aus dem Katalog 1977/78 und Beispiele

Als Vorteil gegenüber dem PU wurde angesehen, daß mit AV-Medien die Informationsaufnahme nicht auf gedruckten Text beschränkt war. Während das Schulfernsehen ohne Rücksicht auf örtliche Unterichtszeiten in einem starren Sendeschema verbreitet wurde, hatten die AV-Medien den Vorzug der zeitlichen Elastizität.
Trotzdem war es mühsam, AV-Medien in den Unterricht einzubeziehen. Das Gewicht der Geräte war beträchtlich. Außerdem mußten die einzelnen Medien bei der Bildstellenorganisation ausgeliehen werden, da die Preise für die Anschaffung durch die einzelne Schule zu hoch waren. Durch den Übergang vom 16-mm-Film auf Super-8-Film und Tonkassetten an Stelle von offenen Tonbändern änderte sich dies. Auch Schulbuchverlage witterten Verdienstmöglichkeiten und begannen mit der Produktion von audiovisuellen Unterrichtsmedien.
AV-Medien haben zu keiner Zeit eine nennenswerte Rolle im Mathematikunterricht gespielt. Den Lehrern war der Aufwand für Bereitstellung von Medium und Gerät zu hoch. Zum Teil fürchteten sie technische Probleme bei der Bedienung der Geräte. Außerdem bestand keinerlei Notwendigkeit zur Optimierung der Unterrichtsergebnisse, da der Lehrer bei der Notengebung auf externe Kriterien keine Rücksicht nehmen mußte.
Die Speicherformen und Abspielgeräte der AV-Medien der Siebzigerjahre sind heute technisch, abgesehen von der Kompaktkassette, obsolet geworden. Soweit das Archivmaterial nicht ausgemustert worden ist, könnten die alten Materialien in die neuen Speicherformen konvertiert werden. Bewegtbild und Ton könnten bei den heutigen technischen Möglichkeiten von CD-ROM und Internet durch Interaktivität ergänzt werden. Die Kopfrechenübungen des FWU sind heute im Format MP3 aus dem Internet abrufbar.
Die Grundprobleme einer Alternative zum Lernen im konventionellen Klassenunterricht haben sich gegenüber damals nicht geändert: Solange der Lehrer durch Manipulation der Noten selbst entscheidet, für wie erfolgreich er seinen Unterricht erscheinen lassen will, gibt es keinen Grund, sich für die Optimierung der Lernergebnisse durch Medieneinsatz zu engagieren. Die Situation wäre grundlegend neu, wenn die Leistung der Schule regelmäßig - und nicht nur singulär wie bei TIMSS - an externen Kriterien gemessen würde.